Lektüre und Arbeitsheft
in einem Buch
60 Seiten, Illustrationen in Schwarzweiß
Spiralbindung
6,50 EUR
ISBN 975-3-936156-16-4
ab 8 Jahren
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Eine echte "Mitmach"-Geschichte!
Leseprobe aus dem Buch"Mäusetage"
Sonntag, 7. Juni, abends
War das ein Tag! Aufregend und schön!! Hier neben meinem Bett steht eine Schachtel und da drinnen schläft das, worüber ich mich so freue...
Heute Nachmittag hatten wir plötzlich alle Lust auf eine kleine Radtour: mein Bruder Jan, meine kleine Schwester Marlene, Mama, Papa und ich.
Gleich hinter unserem Haus beginnt ein Feldweg. Wir waren gerade mal ein paar hundert Meter gefahren, da hörte ich Marlene schreien: "Sophie! Komm schnell!!"
Als ich mich umdrehte, sah ich, dass sie ihr Rad ins Gras gelegt hatte und sich über irgendetwas Winziges beugte. Wir fuhren sofort zurück, weil wir natürlich gespannt waren, was sie da gefunden hatte. Es war eine klitzekleine Feldmaus! Sie kroch vor uns auf dem staubigen Weg herum. Wir staunten...
"Die hat ja die Augen noch gar nicht offen", meinte Jan.
Alle beugten sich jetzt über die Maus und schauten sie genauer an:
Sie hatte kleine, runde Ohren, einen recht kurzen Schwanz und ihr Schnäuzchen war nicht spitz, sondern eher rundlich. Die feinen Schnurrbarthaare zitterten leicht. Sie war wirklich noch sehr klein, hatte aber schon richtiges Fell graubraun und ein bisschen struppig.
Plötzlich entdeckte auch ich ein Stück weit entfernt zwei Mäuschen! Und dann noch eins!! Alle gleich groß und alle gleich lieb.
"Nicht anfassen!", riet uns Papa, "sonst nimmt sie ihre Mutter vielleicht nicht mehr an."
Ihre Mutter?? Ich erschrak und suchte sofort den Wegrand ab. Da! Zwischen den Grasbüscheln lag etwas: eine erwachsene Maus... In ihrem hellen Fell am Bauch konnte man winzige Zitzen erkennen. Die Mäusemama!
Verletzungen sah man keine, aber wir wussten alle sofort, dass sie tot war. Und ihre vier Kinder krabbelten blind und hilflos hier herum.
"Die haben bestimmt einen Spaziergang gemacht", meinte Marlene. Sie war sehr aufgeregt, denn sie hatte ja die erste Maus entdeckt.
Wir überlegten, was wir tun sollten und Jan sprach das aus, was ich eigentlich auch dachte:
"Bis jetzt haben sie Glück gehabt, aber wenn wir sie hierlassen, leben sie in paar Stunden wahrscheinlich nicht mehr. Hier fahren ja manchmal Mofas und sogar Autos."
Ich sagte: "Und sogar, wenn sie in ihren Bau zurückfinden würden ohne Mutter können sie niemals überleben!" Marlene warf mir einen dankbaren Blick zu.
Unsere Mama hätte die Mäuse auch gerne mitgenommen, aber sie hatte ein bisschen Bedenken wegen der Krankheiten, die von Nagetieren übertragen werden können.
Jan beugte sich über die große Maus. "Krank sieht die aber nicht aus! Vielleicht ist sie ja angefahren worden und dann gestorben..."
Ich sagte schnell: "Wir versprechen, dass wir uns jedes Mal die Hände waschen, wenn wir die Mäuschen anfassen."
"Wenn man zahme Mäuse kauft, weiß man auch nicht immer, ob sie wirklich gesund sind!", meinte mein großer Bruder und damit hatte er ja wirklich Recht.
Papa murmelte: "Also, ich bin dagegen, dass wir uns das antun. Die wissen sich schon zu helfen. Unterschätzt mal diese Mäuse nicht."
Aber wir Kinder wollten die Kleinen unbedingt mit nach Hause nehmen. Mama hat als Kind auch eine kleine Feldmaus mit der Flasche aufgezogen und uns mal davon erzählt.
"Also gut, versuchen wir's. Hier haben sie tatsächlich überhaupt keine Chance."
Juhu!! Wir durften die Tierchen vorsichtig in ein Tuch packen.
Das war die kürzeste Radtour, die wir je gemacht hatten!
Zu Hause suchten wir gleich eine Schachtel, legten sie mit Küchenkrepp aus und breiteten trockenes Gras darüber. In einer Ecke machten wir ein Nest aus weichem Stoff und Papierservietten. Dahinein kuschelten wir die Mäuschen ganz eng aneinander. Sie sahen so lieb aus!
Deckel kam keiner drauf. Sie sollten viel Luft bekommen und wir konnten sie gut beobachten.
Jan zog gleich los und kümmerte sich um eine Flasche mit Sauger. Wir dachten an ein kleines Puppenfläschchen. So eines konnte er bei einer Klassenkameradin auch auftreiben.
Gott sei Dank weiß Mama noch viel aus der Zeit mit ihrer eigenen Maus. Sie mischte ein bisschen Kondensmilch mit genauso viel Fencheltee und wärmte sie an wie für Babys. Zuerst versuchten wir, den Kleinen die Flüssigkeit mit der Miniflasche einzuflößen, aber der Schnuller war ungünstig. Die Mäuse wollten nicht daran saugen und von selbst lief die Milch nicht raus.
Jan kam auf die Idee, die Glaspipette einer kleinen Arzneiflasche zu benutzen. Wir säuberten den Tropfer natürlich erstmal ganz gründlich, aber sie wollten heute Abend einfach nichts mehr trinken. Schade...
Hoffentlich haben wir morgen mehr Glück.