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Hanna ist außer sich. Ihre Eltern haben sich getrennt
und sie muss mit ihrer Mutter in ein kleines Dorf ziehen. Alles
Vertraute ist weit weg. Vor allem ihre beste Freundin Sophie.
Von ihrem Vater fühlt sie sich im Stich gelassen...
Jetzt wohnt Hanna im selben Haus wie ihre jüngere Cousine
Lea - und die nervt!
Zum Glück lernt sie ihren Onkel Jo kennen. Er vertraut ihr
eine seltsame Geschichte an: von Bruno, dessen Freundin Ella und
von Sopilo, einem kleinen, lindgrünen Wesen mit ungeheurem
Appetit und eigenartigen Essgewohnheiten. Hanna wird immer neugieriger.
Allmählich kommt sie einem Geheimnis auf die Spur. Und obwohl
sie Onkel Jo versprochen hat, keinem Menschen etwas von dieser
Geschichte zu erzählen, kommt es doch ganz anders...
Leseprobe aus dem Buch"S o p i l o"
"Ich will hier nicht sein, nicht in
diesem Zimmer, nicht in diesem Haus und nicht in diesem kleinen
Dorf! Also, lass mich einfach in Ruhe!"
Ich schreie meine Mutter an und sie zieht ihre Augenbrauen hoch.
Sie ist es nicht gewohnt, dass ich sie anschreie, es kommt auch
äußerst selten vor. Aber in diesem Moment meine ich
es verdammt ernst: Sie soll mich in Ruhe lassen! Alle sollen mich
in Ruhe lassen, denn ich will allein sein.
Meine Mutter seufzt und schlägt mir vor:
"Na gut, Hanna, dann gehe ich. Ich frage Lea, ob sie zu dir
hochkommen will."
Mit diesen Worten verlässt sie das Zimmer.
"Ich will nicht, dass Lea kommt!", rufe ich ihr hinterher.
Lea ist meine kleine Cousine. Sie ist neun Jahre alt, ein Jahr
jünger als ich. Ich trete mit voller Wucht gegen den Umzugskarton,
auf dem "Hannas Spielsachen" steht. Der Inhalt im Karton
scheppert. Gut so! Überhaupt, wie kommt meine Mutter darauf,
"Hannas Spielsachen" auf den Karton zu schreiben? Ich
bin schließlich zehn und im Karton sind keine Barbiepuppen
und Legosteine mehr.
Es gibt noch zwei weitere Kartons: "Hannas Bücher/Schulsachen/Fotoalben"
und "Hannas Kleidung" steht auf ihren Deckeln. Ich trete
noch einmal mit voller Wucht zu. Der Karton fällt um und
Hosen, Pullover und Unterwäsche fallen heraus. Ich lasse
sie auf dem Boden liegen und werfe mich aufs Bett. Es ist mein
Bett aus der alten Wohnung. Auch der Schreibtisch und der Kleiderschrank
sind mit umgezogen. Aber meine Möbel sehen in diesem Zimmer
anders aus, irgendwie fremd, so als gehören sie nicht hierher.
Der Kleiderschrank wartet mit weit geöffneten Türen
darauf, dass er eingeräumt wird. Ich gehe hinüber und
knalle die Türen zu. Ich werde hier gar nichts einräumen,
schwöre ich mir.
Stimmen locken mich zum Fenster und ich sehe hinaus. Lea spielt
mit ihrem Vater im Garten Fußball. Sie schießt Elfmeter
auf das Garagentor und ihr Vater versucht sich als Torwart. Mein
Vater ist weggezogen, er lebt jetzt in Bremen, ziemlich weit weg
von hier.
Im Frühjahr haben mir meine Eltern
gesagt, dass sie sich trennen werden. Mein Vater würde ausziehen
und meine Mutter und ich sollten in der Wohnung bleiben, wegen
der Schule und so.
"Wir werden uns an jedem Wochenende sehen, ganz bestimmt!
Sei nicht traurig, meine kleine Hanuschka!"
Ja, ja, an jedem Wochenende, das hat er versprochen. Gesehen habe
ich ihn seitdem nicht ein einziges Mal. Am Telefon kommt er immer
wieder mit Ausreden um die Ecke:
"Es ist noch furchtbar ungemütlich hier. Außerdem
habe ich leider keine Zeit, weil ich so viel arbeiten muss."
Er denkt, ich durchschaue ihn nicht, aber er will mich nicht bei
sich haben, das ist glasklar. Aber warum will er das nicht, was
habe ich ihm denn getan? Meine Mutter sagt, dass ich mir diesen
Blödsinn aus dem Kopf schlagen soll. Ich verstehe nicht,
warum sie ihn verteidigt. Er war auch gemein zu ihr...